Interview mit Markus Walther

Markus Walther ist ein deutscher Schriftsteller und Kalligraph.

portrait sepia

Foto: Markus Walther

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Kein Problem.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent zum Schreiben haben?
Ich glaube, es war ein Montag. So gegen 15 Uhr.
Nein, eigentlich ist es ein allmählicher Prozess gewesen. Als Teenager habe ich hin und wieder ein paar Texte für mich selbst geschrieben. Später habe ich dann auch mal im Familien- und Freundeskreis was zum Lesen rausgerückt und ängstlich auf das Feedback gewartet, das aber meistens recht wohlwollend ausfiel.
Dass an meiner Schreiberei tatsächlich was dran sein musste, kam mir erst in den Sinn, als ich auf Anhieb einen Verlag für mein erstes Werk „Gute und böse Nachtgeschichten“ fand.

Wie ist die Idee zu Buchland entstanden?
Vor ein paar Jahren bin ich über das Kunstwort „Buchland“ gestolpert. Dieser Begriff ist nämlich keine Erfindung von mir. Die ersten drei Zahlen einer EAN (unter dem Strichcode die Produktnummer) geben für gewöhnlich das Herkunftsland einer Ware an. ISBNs (die EANs auf Büchern) beginnen jedoch immer mit 978 bzw. 979 – sie kommen also quasi aus dem Buchland.
Mir stellte sich die Frage: „Was wäre, wenn es so ein Buchland tatsächlich gäbe?“

Waren viele Recherchen nötig?
In weiten Teilen konnte ich auf ein gesundes Maß an Halbwissen zurückgreifen. Anderes musste ich tatsächlich recherchieren. So zum Beispiel war nirgendwo der Rufname Goethes nachzulesen. Nach einem Gespräch mit einem Historiker wusste ich dann, dass sein Rufname vermutlich Wolfgang war. Seine Mutter nannte ihn allerdings liebevoll „Hätschelhans“.

Wieviel Herr Plana steckt in Ihnen?
Weniger als mir unterstellt wird.
Ich rauche weder Pfeife, noch habe ich meine eigene Vergangenheit vergessen. Außerdem habe ich nichts gegen Selfpublisher  und Ebooks.
Seine Liebe zu Büchern teile ich und wenn er über Gott und die Welt, Sinn und Unsinn sinniert, dann hört man auch ein wenig meiner Gedanken zum Thema Philosophie heraus. Die größte Gemeinsamkeit haben wir wohl in der Eigenheit uns selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

Wie hat sich Ihr Leben nach den ersten Veröffentlichungen verändert?
Wurden Sie vom Erfolg überrascht?
Verändert? Puh! Eigentlich kaum. Mein Privat- und Berufsleben sind gleich geblieben. Die Schreiberei blieb und bleibt Hobby.
Hin und wieder halte ich Lesungen ab oder bin auf Messen eingeladen. Der größte Unterschied liegt eigentlich darin, dass ich jetzt Rückmeldungen zu meinem Schaffen bekomme. Rezensionen, Interviewanfragen, Signierstunden … das ist alles immer sehr spannend.
Dass Buchland vergleichsweise erfolgreich wurde, hat mich tatsächlich etwas überrascht. Mit meinen Kurz- und Kürzestgeschichten hatte ich mich zwar zuvor zum Geheimtipp gemausert, aber meine Leserschaft war doch sehr, sehr übersichtlich. Einen richtigen Roman hatte ich mir bis dahin nicht wirklich zugetraut. Dass „Buchland“ sich nun hin und wieder in Listen mit „Die unendliche Geschichte“, „Tintenblut“ und Moers träumenden Büchern wiederfindet, macht mich ziemlich stolz.

War es schwierig, für das erste Buch einen Verlag zu finden?
Nein. Irgendwie kam das alles ganz von selbst. Wie viel Glück dabei war, habe ich erst später kapiert.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Weder noch. Beide Sätze entstehen lange, bevor sie geschrieben werden.

Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Als Teenager habe ich so ziemlich alles gelesen, was Stephen King bis dahin veröffentlicht hatte. Seine Art zu erzählen, hat mich sicherlich geprägt. Ohne seine Kurzgeschichten hätte ich wohl nie damit angefangen, Shortys zu schreiben. „Quitters Inc.“ in der Anthologie „Nachtschicht“ war für mich sowas wie ein Startschuss.
Dann entdeckte ich die Fantasyliteratur: Michael Ende und Tolkien zum Beispiel.
Schließlich landete ich bei Douglas Adams und wenig später bei Terry Pratchett. Beide Schriftsteller sind für mich die größten literarischen Vorbilder, weil sie es schaffen humoristisch und gleichzeitig hintergründig zu unterhalten.

Welches bekannte Buch, werden Sie wohl nie lesen?
„Feuchtgebiete“ – Wenn Provokation zum Selbstzweck verkommt, ergreife ich freiwillig die Flucht.

Wie lange dauerte es von der Idee, bis zum fertigen Produkt?
Beim allerersten Buch waren es sechzehn Jahre. Beim letzten Buch nur ein/einhalb Jahre.

Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ich arbeite meistens am Computer. Manchmal müssen aber auch Zettel, PostIts, Servietten usw. herhalten. Am liebsten schreibe ich im Bett mit dem Laptop auf dem Schoß, einem Kaffee oder einem Bier auf dem Nachttisch. Aber auch der Esstisch oder das Stehpult auf der Arbeit sind Schreibplätze. Immer dann, wenn Zeit ist.

EBooks oder Papierdruck?
Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Ich bevorzuge Papierdruck. Zum einen kann ich mich dann besser auf den Text konzentrieren, zum anderen brauche ich das Gefühl beim Umblättern voranzukommen. Man starrt täglich zu oft auf Displays.
Mein Lesen muss das nicht auch noch sein.
Eselsohren als Lesezeichen? Versuche ich zu vermeiden! Ich bin von meiner Mama dazu erzogen worden, Bücher mit viel, viel Respekt zu behandeln. Außerdem gibt es doch sooo schöne Lesezeichen.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Sehr. Über eine positive Rezension kann ich mich wie ein Schneekönig freuen. Ähmmm … Warum?

Was ist das Geräusch/der Geruch Ihrer Kindheit?
Oh! Assoziationen!
Der Geruch von feuchter Erde fällt mir spontan ein. Meine Großeltern und meine Eltern waren Gärtner. Meine Brüder sind’s auch. Ich bin der einzige Spross, der da aus der Art geschlagen ist.

Welchen Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ich möchte irgendwann mal nach Island reisen.

Wenn Sie mit einem Fingerschnipsen etwas in Ihrem Leben ändern könnten – was wäre es, und warum?
Ich sag jetzt nicht, dass ich mir den Weltfrieden wünsche; obwohl die Versuchung gerade droht, mich zu übermannen. Hihihi.
Alles in allem bin ich mit meinem Leben zufrieden: Ich bin in der Mitte meiner Lieben. Natürlich gibt es immer etwas Verbesserungsbedarf. Das Schicksal darf sich gerne aussuchen, wo es nach dem Fingerschnipsen nachbessern möchte. Ich bin für das, was mir das Glück bescheren will, immer offen.

Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm / ihr sagen?
Ich würde gerne Samuel Mumm, den Hauptmann der Stadtwache von Ankh Morpork treffen und mit ihm etwas durch die Gassen der Stadt schlendern. „Herr Mumm“, würde ich ein wenig neidisch sagen, „dafür dass Sie ursprünglich nur eine Randfigur auf der Scheibenwelt waren, haben Sie sich echt gemausert. Wer hätte gedacht, dass Sie mal Protagonist so vieler Romane werden?“

Ihr liebster Romanheld ist?
Warum?
Für die Dauer einer Lektüre ist mir jeder Held oder Antiheld der liebste.

Was bedeutet Literatur für Sie?
Es ist ein Hobby, das mir in den vergangenen Jahren viele schöne Momente beschert hat.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?
Lieblingszitat?
Buch: „Per Anhalter durch die Galaxis“
Mein Lieblingszitat ist von Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (Novalis): „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß wie Wolken schmecken.“

Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Harmloser Spinner, der … (Mist! Drei Worte reichen nicht)

Sind Sie Optimist oder Pessimist?
Ist das Glas halb voll, oder halb leer?
Wenn die Chancen für mich 50:50 stehen, sehe ich die Lage lieber positiv, weil ich dann damit glücklich sein darf.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Lachen und zum Lachen bringen.

Die beste Entscheidung Ihres Lebens war?
Meine Frau.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Vermutlich wird das bis 2019 dauern. Im Augenblick habe ich drei Projekte gestartet. Aber keines davon wird in absehbarer Zeit fertig werden. Eine kreative Pause wird bestimmt Wunder wirken.

 

 

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