Interview mit Chris Karlden

Chris Karlden, geb. 1971, studierte Rechtswissenschaft und arbeitet derzeit als Jurist in der Gesundheitsbranche. Nachdem sein erster Psychothriller »Monströs« von allen Literaturagenturen, denen er das Manuskript anbot, abgelehnt wurde, veröffentlichte er den Titel in Eigenregie bei Amazon als E-Book.
Dort stieg  der Thriller auf Platz 2 der Top 100 Charts, hielt sich über Monate in den Top 10 und wurde mit über 40.000 verkauften Exemplaren einer der E-Book-Bestseller des Jahres 2012.

 

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(C) Karlden

Hier nun meine Fragen:

Verfolgen Ihre Thriller Sie nicht bis in den Schlaf?
Wie schalten Sie ab?
Vom Inhalt meiner Bücher träume ich seltsamerweise nicht, und auch mit dem Einschlafen klappt es gut. Ich kann hervorragend beim Joggen oder bei einem Waldspaziergang abschalten.

Wie kommen Sie auf all diese grausamen Ideen?
So grausam finde ich die gar nicht.
Ich habe sehr viel Phantasie und stelle mir oft die Frage, was wäre wenn. Ideen entstehen bei mir ganz plötzlich durch Situationen, in denen ich mich befinde, oder die ich beobachte. Oder indem ich mir in einer Art Brainstorming alle möglichen unglaublichen Was-wäre-wenn-Fragen ausdenke und anschließend versuche, möglichst überraschende Antworten zu finden. Bei meinem Psychothriller “Unvergolten” war beispielsweise Grundlage des Plots die Frage: Was wäre, wenn du nach einem Autounfall aus dem Koma erwachst, und man dir sagt, dass dein Mann dabei ums Leben kam, du aber, nachdem deine Erinnerungen zurückkehren, glaubst, allein gefahren zu sein. Woher genau die Ideen kommen, weiß ich nicht. Oft sind es Wahrnehmungen im Alltag, die ich weiterspinne. Beim Waldlauf ist mir ein großer Baum aufgefallen, von dem ein dicker Ast über den Weg ragte, und ich dachte mir, was wäre, wenn daran jetzt eine Leiche hängen würde. Das ist ein Beispiel für eine Idee, die ich in “Der Totensucher” verwendet habe.
Wie haben Sie mit Ihrem ersten Buch einen Verlag gefunden?
Das Manuskript meines ersten Psychothrillers „Monströs“ habe ich 2011 an etwa zehn Literaturagenturen, die Manuskripte an Verlage vermitteln, geschickt und von allen eine Absage erhalten. Da dachte ich mir, okay, das war´s. Wenn du schon keine Agentur überzeugen kannst, dann klappt das mit den Verlagen erst recht nicht. Dann habe ich 2012 irgendwo gelesen, dass man bei Amazon sein Manuskript als E-Book hochladen und verkaufen kann. Ich dachte mir, bevor mein Buch in der Schreibtischschublade verschimmelt, probierst du das mal aus. Nach sechs Wochen hatten es gerade mal sechzehn Leser gekauft, die meisten davon Freunde. Daraufhin habe ich das Projekt erst wieder Wochen später im Urlaub verfolgt und festgestellt, dass das eBook im Ranking erheblich gestiegen ist. Es ging in diesem Sommer dann rauf bis auf Platz 2 der Amazon E-Book Gesamtcharts, wo “Monströs” sich wochenlang hielt. Mit dem Erfolg im Rücken habe ich meine favorisierte Agentur, die AVA International in München, erneut angesprochen, und diesmal hat es funktioniert. “Monströs” und mein zweites Buch “Unvergolten” wurden vom Edel Elements Verlag als E-Books veröffentlicht, und 2016 gelang mir dann durch Vermittlung meiner Agentur mit meinem “Der Todesprophet” mein Taschenbuch-Debüt im Aufbau Verlag. Im August 2017 erschien “Der Totensucher”, ebenfalls im Aufbau Verlag.

Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Das hält sich die Waage. Von der ersten Sätzen sollten die Leser bestenfalls so in den Bann gezogen werden, dass sie einfach Lust haben, weiterzulesen. Die letzten Sätze sollten den überwältigenden Abschluss der Reise bilden, die die Leser mit den Figuren im Buch unternommen haben.

Nehmen Sie sich die Kritiken, zu Ihren Büchern zu Herzen?
Mit konstruktiver Kritik setze ich mich auseinander, da ich vielleicht etwas daraus lernen kann. Substanzlose Herabwürdigungen treffen mich, und ich versuche sie, aus reinem Selbstschutz auszublenden. Zu Beginn fiel mir der Umgang damit schwerer, als heute. Dennoch braucht es noch immer zehn fünf Sterne-Bewertungen, um eine negative ein oder zwei Sterne-Bewertung mental halbwegs aufzuwiegen. Gottseidank kommt das nur selten vor, und in meinem Inneren weiß ich, dass jedes meiner Bücher besser ist.

Wie kann man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Spartanisch und ordentlich. Ein einfacher Schreibtisch mit Computer und Monitor. Stifte und Papier. Ein Wasserglas und eine Kaffeetasse. Eine Banker-Lampe mit Schirm aus grünem Glas und Messinggestell. Im Winter brennen Kerzen. Ein großes Fenster erlaubt es mir, den Blick nach draußen schweifen zu lassen. Ich schreibe mit dem Programm Word, habe sonst keine zusätzliche Software, die beim strukturieren hilft.

EBooks oder Papierdruck?
Ich mag das Gefühl ein Printbuch in den Händen zu halten mehr. Es ist für mich wertvoller. Aber E-Books haben viele Vorteile: Eine riesige Bibliothek passt auf ein Lesegerät, das so leicht und flach ist, dass es tatsächlich in eine Hosentasche passt. Die Leichtigkeit der E-Reader erlaubt es, sie bequem mit einer Hand zu halten und durch die Seiten zu blättern. Durch die mittlerweile integrierte Beleuchtung kann auch bei Dunkelheit ohne zusätzliches Licht gelesen werden. Das E-Book verbraucht keinen Platz in den Wohnungsregalen und liest sich dabei im Gegensatz zum Lesen am PC wie ein richtiges Buch. Dabei ermöglicht es auch ein anonymes Lesen, da es keinen Buchumschlag gibt. Nicht jeder will, dass man im Arztwartezimmer oder am Strand am Cover sieht, welches Buch man gerade liest. Ältere und vergriffene Bücher können durch den Verlag kostengünstig als E-Book wiederbelebt werden. E-Books können ohne lange Vorlaufzeiten und wesentlich schneller veröffentlicht werden als Printbücher. Und nicht zu vergessen, Menschen mit starker Sehschwäche, können die Schrift sehr groß einstellen und so bequemer lesen. Die Frage Print oder E-Book lässt sich also meines Erachtens nicht so pauschal beantworten. Beide Varianten haben Vorteile, die ich gerne nutze. Von daher finde ich, man sollte nicht von vornherein eine der beiden Formen des Lesens für sich ausschließen. Da ich meist zwei Bücher nebeneinander lese, benutze ich oft ein Printbuch und ein E-Book. Was ich wann lese, hängt dann auch von der Situation ab, in welcher ich mich befinde. Zum Beispiel im Bett vor dem Schlafen lese ich lieber ein E-Book, da das Lesegerät so schön leicht ist. In der Badewanne könnte es mir hingegen ins Wasser fallen. Da muss jeder selbst entscheiden, ob er das Risiko eingeht. Im Urlaub habe ich nur elektronische Bücher dabei. So muss ich keine schweren Bücher im Koffer mitschleppen. Sicher ist es schön, durch ein Printbuch mit einem schönen Cover zu blättern, und ein weiteres Buch zur Sammlung ins Regal zu stellen. Auch als Autor ist es ein erhebendes Gefühl, sein eigenes Werk in Händen zu halten, und als gedrucktes Buch in den Auslagen der Buchhandlungen zu sehen. Andererseits geht es für mich beim Lesen darum, durch eine Geschichte in eine andere Welt einzutauchen, so dass ich Zeit und Raum um mich herum vergesse. In welcher Form das Buch mich auf diese Reise mitnimmt, spielt für mich nicht die entscheidende Rolle. Vielmehr kommt es auf den Inhalt an. Bücher von Autoren, die besonders mag, kaufe ich mir aber nachwievor als Printbuch.

Was halten Sie von Eselsohren in Büchern?
Gar nichts.

Was war das erste Buch, das Sie gelesen haben – und warum können Sie sich heute noch daran erinnern?
Welches das erste Buch war, daran kann ich mich nicht erinnern. Vermutlich Struwwelpeter oder Max und Moritz. Eines der ersten Bücher war aber sicher ein Buch aus der “Geheimnis um…” Reihe von Enid Blyton. Damals empfand ich die Bücher als sehr spannend, und die Helden darin waren ungefähr in meinem Alter. Ich konnte mich daher gut in sie hineinversetzen und fühlte mich, bei den beschriebenen Abenteuern und den Rätseln, die sie lösen durften, als wenn ich dabei wäre.

Wer ist Ihr liebster Romanheld?
Warum?
Eigentlich möchte ich keinen einzelnen herausheben, da es so viele tolle Helden gibt. Wenn ich mich aber jetzt spontan festlegen soll, dann würde ich sagen, Harry Potter, weil er die typische Heldenentwicklung auf eine neue fantastische Art beschreibt, und aus meinem ersten Psychothriller “Monströs“ Martin Waller, weil er mein erster selbsterschaffener Held ist, und von einigen Schwächen geplagt, seine persönlichen Grenzen im Verlauf der Geschichte immer wieder überwinden muss.

Ihr liebster Horror/Thrillerfilm ist?
Auch hier habe ich viele Favoriten und es ist schwer nur einen zu benennen. Ich würde mal sagen, der Film “Man on fire”, deutsch: “Mann unter Feuer” mit Denzel Washington.

Welches bekannte Buch, werden Sie wohl nie lesen?
Fifty shades of grey
Wie würden Sie sich in drei Wörtern beschreiben?
Nett, kreativ, humorvoll.
Was bedeutet Glück für Sie?
Das vermutlich wunderbarste Lebensgefühl, nachdem man streben und so oft wie möglich erleben sollte.
Wo fühlen Sie sich sicher?
An meinem Schreibtisch.

Welcher Kindheitstraum haben Sie sich noch nicht erfüllt?
Ein Haus am Meer.
Optimist oder Pessimist?
Ist das Glas halb voll, oder halb leer?
Optimist. Ich versuche, alles positiv zu sehen, in allem etwas Gutes zu entdecken. Es gelingt mir nicht immer. Aber in der Regel ist bei mir das Glas halb voll.

Was ist Ihnen wichtig, am Ende eines oder vielleicht sogar: eines jeden Tages getan zu haben?
Gelacht zu haben.

Die beste Entscheidung ihres Lebens war?
Die beste Entscheidung gibt es für mich nicht. Meist hat jede Entscheidung an sich immer auch etwas Gutes.

Kaffee oder Tee?
Kaffee. Ich mag den Geschmack einfach lieber.

Wann können Ihre Leser mit dem nächsten Buch rechnen?
Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Wenn alles optimal läuft vielleicht Ende 2018.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für diese Fragen nehmen!
Sehr gerne. Ich bedanke mich für die tollen Fragen. Es hat mir viel Spaß gemacht, sie zu beantworten.

 

 

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